Die Gemeine Sandbiene (Andrena flavipes)
Achtung, Verwechslungsgefahr! Nein, dieser tierische Nachbar ist keine Honigbiene. Der vermeintlich unverwechselbare schwarz-gelbe Bienenpelz mag das ungeübte Auge kurzzeitig in die Irre führen. Doch bei näherer Betrachtung wird schnell deutlich, dass wir es hier mit einer Wildbienenart zu tun haben.
Laut des „Kompetenzzentrums Wildbienen“ wurden im Jahr 2023 in Deutschland 604 Wildbienenarten verzeichnet, unter Ihnen auch die Gemeine Sandbiene (Andrena flavipes). Sandbienen (Andrena) zählen zu den solitär lebenden Wildbienenarten, d.h. sie sind Einzelgänger und bilden keine Staaten wie z.B. Honigbienen. Stattdessen nisten sie im Boden und zählen somit zu den endogäischen Wildbienenarten. Und damit sind sie in bester Gesellschaft. Ungefähr dreiviertel aller in Deutschland heimischen Wildbienenarten nisten im Boden, bevorzugt an sonnigen, trockenen und vegetationsarmen Standorten.
Die Gemeine Sandbiene ist in vielen Regionen Deutschlands die häufigste Erd- bzw. Sandbienenart. Sie zählt zu den sogenannten Generalisten, d.h. weder an Ihren Lebensraum noch an Ihre Futterpflanzen stellt sie besondere Ansprüche.
Ihr frühes Erscheinen im Jahr macht sie zu einer der wichtigsten Bestäuber. Bereits ab Ende März kann sie auf ihren ersten Flügen beobachtet werden. Und das vollkommen ungefährlich, denn im Gegensatz zur Honigbiene hat die Gemeine Sandbiene keine Widerhaken am ohnehin kleinen und dünnen Stachel. Die menschliche Haut kann sie damit in der Regel nicht durchdringen. Männliche Exemplare (Drohnen) haben keinen Stachel. Zudem ist sie eine der wenigen Wildbienenarten, die zwei Generationen im Jahr hervorbringt. Die zweite Generation kann ab dem Spätsommer zwischen Juli und September beobachtet werden.
Ihr gelassenes Gemüt macht die Gemeine Sandbiene zum idealen Nachbar im eigenen Garten. Anders als Honigbienen oder auch Wespen, greift die Gemeine Sandbiene weder an, noch verteidigt sie ihr Nest. Mit etwas Rücksichtnahme steht einem friedlichen Miteinander also nichts mehr im Wege.
Ursprünglicher Lebensraum
Die Gemeine Sandbiene ist in Mittel- und Südeuropa in niedrigen Lagen heimisch. Sie ist ubiquitär, d.h. sie kommt in vielen verschiedenen Lebensräumen vor, z. B. an Waldrändern, halboffenen Landschaften und Wiesen, aber auch in Sand-, Kies- oder Lehmgruben, sowie in urbanen Räumen. Zum Nisten benötigt sie sandige lehmige Böden mit wenig Vegetation. Störanfällig ist sie nicht, sodass sie auch in Siedlungsbereichen nahe dem Menschen anzutreffen ist. Bei guten Nistbedingungen kann sie in sogenannten Scheingesellschaften auftreten, in der bis zu 1.000 Tiere unabhängig voneinander auf sehr engem Raum Nistgänge anlegen. Die Gemeine Sandbiene ist polylektisch, d.h. sie ist nicht auf eine bestimmte Pflanzengruppe oder -art spezialisiert. Dies ermöglicht ihr flächendeckendes Vorkommen in Deutschland.
Lebensraum in der Stadt
Die anpassungsfähige Gemeine Sandbiene findet in vielen urbanen Räumen ideale Lebensraumbedingungen vor. Innerhalb ihres Flugradius von maximal 500 Metern benötigt Sie lediglich einen lückenhaft bewachsenen, sandig-lehmigen Boden zum Nisten und ausreichend Blütenangebot. Dementsprechend ist sie auf öffentlichen Grünflächen wie Parks, Friedhöfen und Spielplätzen ebenso zu finden wie in privaten Gärten.
Was Sie beitragen können
Die Gemeine Sandbiene ist aufgrund ihrer weiten Verbreitung nicht als gefährdet eingestuft, ist jedoch wie alle heimischen Wildbienenarten durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Auch sie leidet, wie viele ihrer Verwandten, unter der stetig zunehmenden Flächenversiegelung sowie der Intensivierung der Landwirtschaft, dem Verlust von Blüh- bzw. Nahrungspflanzen und dem Einsatz von Pestiziden.
Kommunale Maßnahmen zur Förderung der Gemeinen Sandbiene gleichen denen zum Schutz und zur Förderung von Insekten im Allgemeinen und Wildbienen im Besonderen.
Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung:
- Starten Sie eine Öffentlichkeitskampagne und machen Sie auf die Gemeine Sandbiene und Ihre Lebensumstände aufmerksam. Informieren Sie, um Skepsis und Scheu in der Bevölkerung entgegenzuwirken. Tipps zur Kommunikation finden Sie weiter unten im Text.
- Die Gemeine Sandbiene ist durch ihre zwei Generationen über das Jahr hinweg gut zu beobachten. Ihre Häufigkeit sowie ihre ruhige Art in Gegenwart von Menschen schaffen gute Voraussetzungen für Umweltbildungsangebote. Nutzen Sie dies und schaffen Sie Angebote für verschiedene Altersklassen. Wie dies auch im schulischen Kontext aussehen kann, hat der Landkreis Sankt Wendel vorbildlich gezeigt.
- Engagieren Sie sich gegen Schottergärten in Ihrer Kommune. Informieren Sie die Bevölkerung über die Nachteile von Schottergärten und klären Sie über die vermeintlichen Vorteile auf. Wie dies gelingen kann, zeigt die Stadt Andernach.
- Fördern Sie eine naturnahe Gartengestaltung und rufen Sie zum Verzicht auf Pestizide auf. Beispiele für geeignetes Informationsmaterial und Beschilderung sowie Möglichkeiten für Gartenwettbewerbe finden Sie auf unserer Homepage.
Kommunale Grünflächenpflege:
- Schaffen Sie positive Beispiele, die zur Nachahmung anregen und pflegen Sie Ihre kommunalen Grünflächen insektenschonend. Ein naturnahes Grünflächenpflegekonzept bzw. unser Label Stadtgrün naturnah ist hierfür die beste Grundlage (mehr Informationen unter https://kommbio.de/jetzt-labeln-lassen/)
- Etablieren Sie gezielt Flächen zur Förderung von Wildbienen, indem Sie Niststrukturen schaffen (z.B. in Form von offenen Bodenstellen oder Sandarien, als Ebene oder Abbruchkante) und legen Sie fachgerecht Blühwiesen an, die einen dauerhaften Bestand haben. Achten Sie darauf, dass Nist- und Nahrungshabitate in unmittelbarem Umfeld zueinander liegen.
Wie eine gelungene Kombination an Schutzmaßnahmen in der Praxis aussehen kann, zeigen diese Kommunen:
- Stadt Köln: https://kommbio.de/praxisbeispiele/pflanzt-futter-fuer-wildbienen-wildbienenschutz-aktiv-ganz-koeln-macht-mit/
- Stadt Puchheim: https://kommbio.de/praxisbeispiele/wildbienengarten/
- Stadt Hannover: https://kommbio.de/praxisbeispiele/grenzen-ueberwinden-fuer-mehr-insektenschutz-vernetzung-von-massnahmen-und-akteuren-im-siedlungsraum/
- Stadt Dresden: https://kommbio.de/praxisbeispiele/dresdner-wildbienengaerten-gestaltung-insektenfreundlicher-lebensraeume-in-dresdner-kleingartenanlagen-durch-aktive-buergerschaftliche-teilhabe/
Ein zusätzlicher Weg ist die Benennung von Wildbienen als Zielartengruppe sowie die Festsetzung von Maßnahmen zum Insektenschutz in den kommunalen Biodiversitätsstrategien. Vorbildlich hat dies z.B. die Stadt Heidelberg umgesetzt: https://kommbio.de/dokumente/biodiversitaetsstrategie-heidelberg/.
Tipps zur Kommunikation
- Nutzen Sie die Gemeine Sandbiene als Flaggschiffart für Wildbienen im Siedlungsraum. Viele Wildbienenarten sind durch ähnliche Umstände von Lebensraumverlusten und einem Mangel an Nahrungspflanzen sowie den Einsatz von Pestiziden bedroht.
- Zeigen Sie auf, welche Maßnahmen im eigenen Garten zur Förderung von Wildbienen ergriffen werden können. Das kann in Form einer Broschüre, in anschaulichen Workshops oder auch mit Hilfe eines Schaugartens geschehen.
- Wildbienenschutz basiert in den Kommunen häufig auf ehrenamtlicher Basis. Kooperieren Sie mit den lokalen Naturschutzvereinen und Initiativen und binden Sie diese frühzeitig in Ihre Maßnahmenplanung mit ein.
- Leisten Sie Aufklärung über und Bewusstseinsentwicklung für den Unterschied von Wildbienen und Honigbienen in der Bevölkerung. Kenntnisse über diese Artengruppe fördern den Abbau von Ängsten oder Bedenken und die Akzeptanz für Naturschutzmaßnahmen im wohnortnahen Umfeld.






