Was hat die Weltnaturkonferenz COP17 mit den Kommunen zu tun?
Welche Fläche blüht und welcher Bach wieder frei fließen darf, entscheidet sich in den Kommunen. Dort wird auch eines der Ziele umgesetzt, auf die sich die Staaten der Welt 2022 im Weltnaturabkommen geeinigt haben. Ziel 12 sieht bis 2030 mehr naturnahe Grünflächen und Gewässer in Städten vor, verbunden und für alle erreichbar. Wie weit die Welt damit ist, prüfen die Staaten vom 19. bis 30. Oktober auf der Weltnaturkonferenz COP 17 in Jerewan.
Während der Konferenz stellen wir hier Menschen aus unseren Mitgliedskommunen vor, die diese Arbeit leisten. Alle beantworten dieselben drei Fragen.
Mario Hecker, Bürgermeister der Gemeinde Kalletal (Kreis Lippe)
Herr Hecker, wo in Ihrer Kommune kann man sehen, dass die Gemeinde Grünflächen artenreicher und Gewässer naturnäher macht?
Ein besonders anschauliches Beispiel ist der Klimapark am Schulzentrum in Kalletal-Hohenhausen: Auf rund 2.000 Quadratmetern wurden versiegelte Flächen entsiegelt, ein naturnaher Gewässerlauf angelegt und artenreiche, insektenfreundliche Pflanzungen geschaffen. Das Projekt zeigt, wie wir Natur- und Klimaschutz, Regenwasserrückhalt und Umweltbildung vor Ort miteinander verbinden.
Den Klimapark Kalletal-Hohenhausen stellen wir in unserem Praxisatlas vor.

Was sollten die Staaten in Jerewan über Ihre Arbeit in Ihrer Gemeinde wissen?
In Kalletal verstehen wir biologische Vielfalt als eine konkrete kommunale Zukunftsaufgabe, die wir seit vielen Jahren Schritt für Schritt in unsere Entwicklung integrieren. Unser Anspruch ist es, internationale Nachhaltigkeits- und Biodiversitätsziele in sichtbare Maßnahmen vor Ort zu übersetzen – von naturnahen Grünflächen bis hin zu neuen Konzepten für Hecken, Biotopverbünde und den Wasserrückhalt in unserer Kulturlandschaft.
Was war bei der Umsetzung schwieriger als gedacht, und wer oder was hat geholfen?
Die größte Herausforderung besteht darin, ökologische Ziele, Flächennutzungsansprüche, begrenzte kommunale Ressourcen und langfristige Pflege miteinander in Einklang zu bringen. Geholfen haben uns die Zusammenarbeit mit engagierten Partnern, die Unterstützung durch Förderprogramme und der fachliche Austausch im Bündnis Kommbio, das Kommunen dabei unterstützt, voneinander zu lernen und biologische Vielfalt dauerhaft im kommunalen Handeln zu verankern.

Bettina Lisbach, Erste Bürgermeisterin Karlsruhe
Frau Lisbach, wo in Ihrer Kommune kann man sehen, dass die Stadt Grünflächen artenreicher und Gewässer naturnäher macht?
Die Wiederherstellung der Wässerwiesen „Salmenwiesen“ bei Rüppur ist ein kleines, aber beispielhaftes Projekt für den Schutz der biologischen Vielfalt in Karlsruhe. Durch die Wiederbelebung der traditionellen Wiesenbewässerung werden wertvolle Lebensräume gefördert und die ökologische Vielfalt gestärkt. Das Beispiel zeigt, dass auch räumlich begrenzte Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten können.
Vor allem im Frühsommer können Bürger*innen die naturnah gepflegten Flächen und die darin lebenden Wildbienen und Schmetterlinge auf insgesamt 44 ha bewundern
In Jerewan prüfen die Staaten, wie weit sie mit ihren Zielen für die biologische Vielfalt gekommen sind. Was sollten sie über Ihre Arbeit in Ihrer Kommune wissen?
Biologische Vielfalt beginnt vor der eigenen Haustür. Mit ihrem Biodiversitätskonzept setzt die Stadt Karlsruhe globale Ziele zum Schutz der biologischen Vielfalt vor Ort konkret um. Dabei verbinden wir den Schutz heimischer Arten mit Klimaanpassung und einer lebenswerten Stadt. Unsere Aktivitäten können anderen Kommunen als Beispiel dienen und sie dabei unterstützen, eigene Biodiversitätskonzepte zu entwickeln und umzusetzen.
Was war bei der Umsetzung schwieriger als gedacht, und wer oder was hat geholfen?
Naturnahe Grünflächenpflege und die Erwartungen an ein gepflegtes Stadtbild lassen sich nicht immer konfliktfrei miteinander vereinbaren. Wichtig sind deshalb fachliche Begleitung, die Qualifizierung der Pflegekräfte und eine gute Kommunikation mit der Bevölkerung. Dass natürliche Vielfalt manchmal auch mehr Wildwuchs bedeutet, muss gut erklärt werden.
Karlsruhe ist seit 2012 Mitglied von Kommbio.
