Worum geht es beim Thema Stauden?
In den letzten Jahrzehnten wurden vorzugsweise verholzende Sträucher wie Zwergmispeln (Cotoneaster), Schneebeere (Symphoricarpos) oder Fünffingerstrauch (Potentilla) oder typische Bodendecker wie Dickmännchen (Pachysandra), Waldsteinie (Waldsteinia) oder Kriechspindel (Euonymus) vorzugsweise großflächig als Monokulturen im öffentlichen Grün, in Parkanlagen, im Straßenbegleitgrün, auf Friedhöfen, und auf den Flächen der Wohnungsbaugesellschaften gepflanzt. Das Thema Biodiversität war damals kein Thema. Seit Bekanntgabe der Krefelder Studie im Jahr 2017 über den Rückgang der Insekten und deren Biomasse gab es ein Umdenken, in der Bevölkerung und auch in den Kommunen. Einheitsgrün aber auch pflegeaufwändige Sommerblumenbeete werden durch insektenfreundliche Stauden oder bereits getestete Staudenmischpflanzungen ersetzt. Aufgrund des Klimawandels werden im Siedlungsgebiet mehr und mehr Flächen entsiegelt und mit Stauden bepflanzt.
So gelingt ein Staudenbeet:
Um jedoch mit Staudenpflanzungen im öffentlichen Grün Erfolg zu haben, sind diverse Voraussetzungen notwendig. Es beginnt mit der Auswahl einer geeigneten Fläche, mit einer guten Standortvorbereitung, mit dem richtigen Substrat und Mulchmaterial. Bei Pflanzungen in der Sonne sollte mineralisches Material ohne Nullanteil, in halbschattigen bis schattigen Pflanzungen sowie auf Baumscheiben eher anorganische Rindenmulch- oder Rindenkompostprodukte verwendet werden. Diese Mulchmaterialien entsprechend den natürlichen Lebensbereichen. Gute Pflanzenqualität (meist 9er Topfballen), die richtige Lieferung der bestellten Arten (möglichst keine Ersatzarten), ausreichende Pflanztiefe (Oberkannte ca. 3 cm unter Oberfläche mineralischem Mulch, damit die Staudenballten im Winter nicht hochfrieren) und später eine fachgerechte Staudenpflege sorgen für eine dauerhafte, pflegeleichte Pflanzung, die das ganze Jahr über attraktiv aussieht. Eine Bewässerung erfolgt nur im Pflanzjahr, dabei ist es wichtig, anfangs mit viel Wasser und weiteren zeitlichen Abständen zu Wässern, damit die Wurzeln in die Tiefe eindringen und nicht nur an der Oberfläche bleiben. Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen sind nicht notwendig, wobei wenn Zwiebelblumen integriert werden, sollten gerade auf nährstoffarmen Substraten nur die in größeren Gruppen gepflanzten Zwiebelblumen gedüngt werden, sofern Mangelerscheinungen auftreten.
Wo können Kommunen Stauden richtig einsetzen?
Stauden können vielseitig eingesetzt werden, so in Beeten, Parkanlagen, in Kübeln und Gefäßen (statt Wechselflor), bei der Grabbepflanzung, als Unterpflanzung von Baumscheiben, Saumbereiche vor Hecken und Sträuchern, in Balkonkästen und Hochbeeten, auf Retentionsflächen und -gräben, bei Urban Gardening-Projekten, in Naturerfahrungsräumen, entlang von Gewässern und Flüssen, an Teichen, in Kitas und Schulen und auf Dachbegrünungen. Je weniger nährstoffreich das Substrat ist, desto größer kann die Stückzahl pro Quadratmeter sein. 5 bis 7 Stück reichen bei normalen Böden aus, bei nährstoffarmen kann die Stückzahl auf 7 bis 9 Stück/Quadratmeter angehoben werden.
Wissenswertes
Grundregeln beim Einsatz von Stauden: Grundsätzlich sollten keine gefüllt blühenden Stauden und lieber reine Arten statt Sorten und Hybriden verwendet werden. Heimische sowie insektenfreundliche Arten ist Vorrang zu gewähren. Ebenso muss auf invasiven Arten geachtet werden.
Werden sogenannte Schottergärten in Staudenbeete umgewandelt, muss das verwendete Bodenvlies oder Folien komplett entfernt werden. Der Schotter kann mit Substraten geringerer Korngrößen (Splitt, Sand, Kies) vermischt und so wiederverwendet werden. So können selbst Schottergärten zu attraktiven Staudenbeeten umgestaltet werden. Ebenso können natürliche Gestaltungselemente wie liegendes, stehende Totholz sowie Findlinge mehr Struktur in eine Pflanzung bringen und so die biologische Vielfalt selbst auf kleinstem Raum fördern und erhöhen.
Staudenpflanzungen sollten einmal im Jahr zurückgeschnitten werden, wobei wenn möglich, kleine Bereiche stehengelassen werden sollten, um Insekten und anderen Tieren eine Überwinterungsmöglichkeit zu bieten. Bei Bedarf können einzelne oder umgekippte Stauden individuell zurückgeschnitten werden. Der beste Zeitpunkt ist im zeitigen Frühjahr, bevor die Zwiebelblumen austreiben.