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15 Kommunen erhalten Label „StadtGrün naturnah“

Label

Das Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt verleiht am 22. September in Frankfurt am Main das Label „StadtGrün naturnah“ an 15 Kommunen.

• Neun erhalten die Auszeichnung erstmals, sechs erneuern sie.
• Pforzheim steigt von Silber auf Gold, Laupheim von Bronze auf Silber.
• Damit sind bundesweit 90 Kommunen mit dem Label ausgezeichnet.

Das Label gilt drei Jahre. Danach müssen Kommunen zeigen, was sie aus ihrem Maßnahmenplan umgesetzt haben. „Die rezertifizierten Kommunen haben seit ihrer letzten Prüfung weitere Flächen auf naturnahe Pflege umgestellt und ihre angekündigten Maßnahmen umgesetzt“, sagt Dr. Uwe Messer, Fachreferent des Bündnisses. Pforzheim etwa erreichte Gold. Seit ihrer Neuzertifizierung 2022 hat die Stadt ihren Baumbestand mit der Aktion „Ein Kind – ein Baum“ vergrößert: Für jedes neugeborene Kind eines Jahrgangs pflanzt sie einen Baum, als Wäldchen im Stadtwald oder als Baumreihe im Stadtgebiet. Dazu kommen ein Waldklassenzimmer und ein Konzept, das Alt- und Totholz stehen lässt. Laupheim stieg auf Silber: Die Stadt hat mehr Flächen mit Regiosaatgut angesät, also mit heimischen Wiesenstauden aus der Region. An einer Ganztagsschule ersetzt die Sense den Mäher, und zehn Prozent der Wiesen bleiben als Altgras stehen. Dies sind nur wenige Beispiele aus den drei Handlungsfeldern, die zu einer besseren Bewertung geführt haben. Bad Säckingen und Haldensleben bestätigten Silber, Frankfurt am Main und Hannover erneut Gold.

Neu dabei sind Bad Brückenau, Beelitz, Borken, Friedrichstadt, Haan, Neumarkt in der Oberpfalz, Sankt Wendel, der Berliner Bezirk Treptow-Köpenick und Wolfsburg. Zwei dieser Kommunen – Borken und Treptow-Köpenick – haben sich dabei auf Anhieb für Gold qualifiziert. Die 15 Kommunen verteilen sich auf zehn Bundesländer, von der Kleinstadt Friedrichstadt bis zur Großstadt Frankfurt am Main.

Weniger mähen für mehr Arten und mehr Wasser

Artenschutz und Klimaanpassung beginnen vielfach mit einer angepassten Grünflächenpflege: „Oft geht es zunächst darum, Gewohnheiten zu ändern. Weniger Mahd fördert artenreiche Vegetationsbestände und schafft Lebensräume für Insekten. Gleichzeitig schützt höherer Bewuchs den Boden auch vor Austrocknung und verlangsamt bei Niederschlägen den oberflächlichen Wasserabfluss sodass mehr Regen versickern kann“, sagt Alexander Pelzel, Fachreferent des Bündnisses, der seit diesem Jahr die Zertifizierungen begleitet.

Wie das aussieht, zeigt der Bezirk Treptow-Köpenick auf dem Friedhof Oberschöneweide. Flächen, die noch nicht für Gräber gebraucht werden, mäht der Bezirk nur noch selten. Entdeckerpfade führen zu Trockenmauern, Totholzhaufen und Sandarien – offenen Sandflächen für Wildbienen. Die Beschäftigten haben vier Wochen lang neben ihrer regulären Arbeit notiert, welche Arten sich aufgrund der neuen Strukturen und Pflegeänderungen entsprechend angesiedelt haben.

Wolfsburg setzt am Hollerplatz auf heimische Schattenstauden. Unter Platanen wachsen Waldmeister, Akelei und Waldmarbel. Die Pflanzen sind pflegeleicht und artenreich. Davon profitieren die Bewohner und die Tiere der Stadt.

Wie das Label bewertet

Knapp zwei Drittel der Punkte vergibt das Label für die naturnahe Pflege und Gestaltung: seltener mähen, heimische Pflanzen und insektenfreundliche Stauden statt Wechselflor, kein Torf oder torfhaltigen Produkte, keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, kein Kunstdünger. Der Rest entfällt auf Beteiligung und Umweltbildung wie zum Beispiel Schulgärten und Naturerlebnisräume sowie auf die kommunale Planung, etwa Festsetzungen in der Bauleitplanung. Bewertet wird, was eine Kommune bereits umgesetzt hat sowie im Rahmen der Maßnahmenplanung verbindlich und konkret umsetzen möchte. Dazu erfasst die Kommune zunächst ihre bisher getätigten Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität selbst. Anschließend machen sich Fachleute des Bündnisses bei einer Vor-Ort-Begutachtung ein Bild von den Flächen und der bisherigen Umsetzung. Eine lokale Arbeitsgruppe begleitet den gesamten Prozess.

Frankfurt setzt auf nachhaltige Stadtbegrünung

Bereits zum vierten Mal ist Frankfurt am Main Gastgeber des Vernetzungstreffens mit Labelübergabe. Die Stadt hat das Label als eine von fünf Pilotkommunen mitentwickelt, zusammen mit Hannover, Kirchhain, Neu-Anspach und Wernigerode. Dezernentin Tina Zapf-Rodriguez begrüßt rund 50 Gäste im Grünflächenamt. Am Nachmittag führt Susanne Gonsior-Hahmann durch den Rennbahnpark in Niederrad, den sie als Landschaftsarchitektin des Grünflächenamts geplant hat. Der neun Hektar große Park entstand 2022 auf einer ehemaligen Galopprennbahn – mit Sandmagerrasen und Rote-Liste-Arten in der Mitte, Schafen statt Mähern und kaum versiegelten Flächen, damit der Regen versickert. Stadtweit pflegt Frankfurt seine Wiesen inzwischen weitgehend naturnah, berücksichtigt entsprechende Anforderungen auch in Ausschreibungen und lässt ausgewählte Flächen beweiden. Das Potenzial, die Pflege weiterer Flächen umzustellen ist inzwischen weitgehend ausgeschöpft.

Über das Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt

Im Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt e.V. haben sich 443 Städte, Gemeinden und Landkreise zusammengeschlossen, die Natur in ihren Siedlungsgebieten schützen. Mit dem Label „StadtGrün naturnah“ zeichnet das Bündnis Kommunen aus, die ihre Grünflächen naturnah pflegen und gestalten – bislang 90, davon 45 bereits rezertifiziert. Teilnehmen können auch Kommunen, die nicht Mitglied sind. Jede Kommune stellt für das Verfahren eine lokale Arbeitsgruppe aus Fachleuten und Interessierten zusammen; mindestens eine Naturschutzorganisation muss dabei sein. Das Bündnis hat das Label von 2016 bis 2021 mit fünf Pilotkommunen entwickelt, gefördert vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.

Für interessierte Kommunen: Bewerbungen sind jederzeit möglich. Die Plätze für 2027 sind alle bereits belegt, die nächste Möglichkeit besteht für die Labelvergabe im Jahr 2028. Das Label gilt als Grünflächenkonzept für den KfW-Zuschuss 444 „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“. Ansprechpartner siehe Kontakt.

Mehr Informationen und Bewertungskriterien: www.kommbio.de/label

Auszeichnungen 2026

Das Label vergibt bis zu 1.250 Punkte: Bronze ab 500, Silber ab 750, Gold ab 1.000. Bronze steht für den Einstieg: erste Flächen sind auf naturnahe Pflege umgestellt, chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind tabu. Gold heißt: Die Kommune pflegt nahezu ihr gesamtes öffentliches Grün naturnah. Auch in der Bauleitplanung und politischen Beschlüssen wird das verbindlich berücksichtigt. Darüber hinaus werden herausragende Projekte zur Förderung der biologischen Vielfalt umgesetzt, was dann in der internen Beurteilung zu „herausragend“ führt.

Neu ausgezeichnet (9):

  • Bad Brückenau (Bayern) – Bronze
  • Beelitz (Brandenburg) – Bronze
  • Borken (Nordrhein-Westfalen) – Gold
  • Friedrichstadt (Schleswig-Holstein) – Bronze
  • Haan (Nordrhein-Westfalen) – Silber
  • Neumarkt in der Oberpfalz (Bayern) – Silber
  • St. Wendel (Saarland) – Bronze
  • Treptow-Köpenick (Berlin) – Gold
  • Wolfsburg (Niedersachsen) – Silber

 

Erneut ausgezeichnet (6):

  • Bad Säckingen (Baden-Württemberg) – Silber, 1. Rezertifizierung
  • Frankfurt am Main (Hessen) – Gold, 2. Rezertifizierung
  • Haldensleben (Sachsen-Anhalt) – Silber, 1. Rezertifizierung
  • Hannover (Niedersachsen) – Gold, 2. Rezertifizierung
  • Laupheim (Baden-Württemberg) – Silber (vorher Bronze), 1. Rezertifizierung
  • Pforzheim (Baden-Württemberg) – Gold (vorher Silber), 1. Rezertifizierung

 

Kontakt

Kommunen für biologische Vielfalt e.V.
Dr. Uwe Messer / Alexander Pelzel
Fachreferenten
Tel. 07732 89073-22 / 07732 89073-24
E-Mail: messer@kommbio.de / pelzel@kommbio.de

News - Labelverleihung StadtGrün naturnah 2026
Gruppenbild in Frankfurt am Main © Stadt Frankfurt am Main