Wissenswert

Friedhöfe

Worum geht es beim Thema Friedhöfe?

Aufgrund ihrer Strukturvielfalt sind Friedhöfe schon immer sehr artenreich. Es gibt unterschiedliche Lebensräume und Habitatanalgien.

Durch ihre Funktion sind Friedhöfe sensibel zu betrachten. Jegliche Veränderungen in der Pflege oder Gestaltung müssen mit Bedacht angegangen werden. Die Friedhofsbesucher müssen dabei mit eingebunden und mitgenommen werden. Dies gelingt beispielsweise durch die Beschilderungen von Wiesen, das Auslegen von Flyern zum Thema Biodiversität und naturnahe Grünflächenpflege, durch Mustergräber mit heimischen Stauden, durch persönliche Ansprachen, sofern dies personell überhaupt möglich ist und durch Informationsveranstaltungen. Die meist älteren Besucher wünschen sich saubere und gepflegte Grabstätten, was im Gegensatz zu naturnah gepflegten und gestalteten Anlagen steht. Aufgrund der veränderten Bestattungskultur werden mehr Urnenbestattungen, anonyme Gräber in Gemeinschaftsgrabfeldern auf waldartigen Flächen, Wiesen oder Staudenbepflanzungen nachgefragt. Die freiwerdenden Vorratsflächen bzw. Friedhofsüberhangflächen können nun anders bewirtschaftet und gestaltet werden oder sogar ganz aus der Nutzung fallen. Es geht aber nicht nur um die biologische Vielfalt, sondern ebenso um eine nachhaltige Friedhofskultur ohne Plastik, ohne Chemie, ohne Torf oder Grabsteinen aus Übersee. Entsprechend müssen Friedhofsatzungen angepasst werden.

Was können Kommunen hierfür tun?

Rasen- und Wiesenflächen:

Mit einer Veränderung der Pflegepraxis kann sehr schnell mehr für die Biodiversität geleistet werden, indem Blühinseln stehen gelassen werden, Randbereiche nur einmal im Jahr oder alternierend gemäht werden. Anonyme Grabfelder können sehr gut mit einer einschürigen Wiese umgesetzt werden, da keine störenden Grabsteine oder ähnliches die Pflege stört. Dabei ist die Anwendung naturnaher Techniken einzusetzen. Ist ein Friedhof groß genug und können Teilbereiche eingezäunt werden, ist eine Beweidung mit Tieren eine sinnvolle Alternative zu Mähgeräten, weil diese selektiv pflegen und entsprechende Arten gefördert werden.  Dabei muss die Pietät gewahrt bleiben.

Stauden:

Aufgrund des Alters mancher Friedhöfe findet man ebenso alte Kulturpflanzen, die sich teilweise selbst in den Jahrzehnten ausgebraucht haben und gemeinsam mit Wildpflanzen eine Pflanzengemeinschaft bilden. Auf den Gräbern zieren meist fremdländische Immergrüne wie Zwergkoniferen oder bodendeckende Arten, die wenig oder gar nicht blühen und somit kaum als insektenfreundlich gelten. Werden diese durch andere immergrüne aber blühende Stauden wie Immergrün (Vinca), Efeu (Hedera) oder Christrosen (Helleborus) ersetzt und durch weitere Arten angereichert, stellt sich schnell eine höhere Artenvielfalt dar. Werden dann noch Mustergräber mit heimischen sowie insektenfreundlichen Arten gepflanzt, können sie als Vorbild der Grabbepflanzung dienen. Grundsätzlich sollten bei insektenfreundlichen Arten keine gefüllten Arten oder Sorten/Hybriden verwendet werden. Selbst Gefäße auf den Gräbern können dauerhaft beispielsweise mit Steingartenstauden, Kräutern oder kleineren insektenfreundlichen Zierstauden bepflanzt werden. Auf invasive Arten wie das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus), Wolfsbohne (Lupinus polyphyllus) oder die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) muss geachtet werden.

Sträucher:

Sträucher werden auf Friedhöfen als Solitäre, als Schnitthecken, offene Hecken sowie Gebüsche mit Saumstreifen verwendet. Offene Hecken werden möglichst abschnittsweise auf den Stock gesetzt, das Schnittholz möglichst vor Ort als Benjeshecken etabliert: Mit diesen Maßnahmen können vielgestaltige Strukturen und Lebensräume auf Friedhöfen nachhaltig hergestellt werden. Bei der Auswahl der Sträucher ist auf Artenvielfalt, Fruchtschmuck und ein langfristiges Blühangebot vom Frühling bis zum Winter zu achten. Auf Sträucher mit invasivem Potential wie beispielsweise der Sommerflieder (Buddleja davidii) oder der immergrüne Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) muss geachtet werden.

Bäume:

Alte Bäume, Gehölzhaine und waldartige Bereiche zeichnen die meisten Friedhöfe aus. Bleiben Habitatbäume erhalten, können Friedhöfe wahre Hotspots der Artenvielfalt werden. Wie bei den Sträuchern sind fruchtragende und insektenfreundliche Gehölze, möglichst heimische Arten, zu verwenden. Wo möglich, sollten sie grundsätzlich artenreich unterpflanzt werden. Altholz kann auch auf Friedhöfen wiederverwendet werden, dazu gibt es viele gute Praxiseispiele. Soll Altholz an Bäumen belassen werden, ist dies in Randbereichen und weniger frequentierten Bereichen oder im Betriebshofgelände möglich. Die Verkehrssicherheit für die Friedhofsbesucher muss jederzeit gegeben sein, darf aber auch nicht zu Lasten der Biodiversität ausgelegt werden. Wertvolle Bäume mit Altholz oder Habitatbäume können eingezäunt und beschildert werden, dies fördert die Akzeptanz und beugt der Verkehrssicherheit vor. Das Aufhängen von Vogelkästen oder Fledermausquartieren sind zusätzliche Artenschutzmaßnahmen, die ebenso die Akzeptanz fördern.

Bei größeren Friedhöfen können selbst vom Sturm umgefallene Bäume und deren Wurzelteller belassen werden, sofern davon Grabfelder nicht betroffen sind. Diese sogenannten Sturmbiotope bieten einen vielfältigen Lebensraum. So können Wildbienen in der Erde des Wurzeltellers brüten, sofern diese in der Sonne liegen, oder Säugetiere finden geeignete Lebensräume und Verstecke.

Weitere Möglichkeiten:

Gebäude mit Dächern, Türmen, Dachstühlen, aber auch Eiskeller, Mausoleen, Fassaden, Denkmäler, Grabarchitekturen, Statuen, Grabsteine, Einfassungen und Pflasterung stellen Ersatzlebensräume für exponierte Felsstandorte, für hohe Einzelbäume, trockene, feuchte Höhlen, Gebirge und Felslandschaften dar. Sie werden von Raubvögeln, Fledermäusen, Gebäudebrütern aber auch Nischen- und Höhlenbrütern heimgesucht. Mit Efeu überwachsende Mauern, offene Mauerfugen oder mit Moos bewachsende Steine sind vielfältige Lebensräume für Kleinstlebewesen aber auch Amphibien und Insekten. Farne, Moose, Felsenpflanzen und Flechten finden optimale Bedingungen, oft findet man dort sogar gefährdete Arten wie Mauerfarne und andere an den Felsen gebundene Arten.

Weniger als Lebensraum wahrgenommen werden Materiallagerstätten und Betriebshöfe. Hier lagern ausgediente Grabsteine, es gibt Hügel mit Erdaushub oder Holzlagerstätten. Hier fühlen sich Wildbienen, Käfer und andere Insekten wohl. Bei der täglichen Arbeit sollte auf diese Tiere geachtet werden.

Wasserstellen jeglicher Art bieten unterschiedliche Bedingungen und Lebensbereiche für viele Tiere und Pflanzen. Auf größeren Friedhöfen kann es Teiche geben, aber oftmals stellen kleine Wasserzapfstellen oder mit Wassergefüllte Blumenhalter wertvolle Kleinstgewässer dar.

Ebenso bei Wasserzapfstellen, dort installierte Ausstiegshilfen für Tiere ermöglichen die Nutzung als zusätzliche Trinkstelle und nicht nur als Schöpfmöglichkeit für die Grabbewässerung. Grabsteine oder Mauern möglichst nicht säubern, da sich auf ihnen Kleinstlebensräume mit Flechten, Moosen und Pilzen bilden können