Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
Dieser tierische Nachbar ist ein wahres Leichtgewicht – mit durchschnittlich 5 g Körpergewicht und einer Kopf-Rumpf-Länge von maximal 5 cm passt die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) bequem in eine halbe Walnussschale und ist dabei nicht schwerer als der Walnusskern selbst.
Als Vertreter der Gattung der Pipistrellen (Zwergfledermäuse) zählt sie zusammen mit der sehr ähnlichen Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) sowie der Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) zu den kleinsten heimischen Fledermausarten.
Ihre Beute – u.a. Fliegen, Mücken oder Nachtfalter mit einer Größe von einem bis zwölf Millimetern – erjagt sie im wendigen Zickzack-Flug, meist entlang von Gewässern oder Vegetationsstrukturen. In einer Höhe von drei bis fünf Metern erbeutet sie so Nacht für Nacht bis zu 1,5 Gramm Insekten. Das entspricht stolzen 30 Prozent ihres eigenen Körpergewichts.
Das Fledermausjahr folgt einem festen Rhythmus. Je nach Witterung startet es zwischen Februar und April mit dem Auszug aus den Winterquartieren. Während die Männchen direkt ihre Sommerquartiere ansteuern, beziehen die bereits trächtigen Weibchen kurz darauf die Wochenstuben, um im Juni und Juli ein bis zwei Jungtiere zur Welt zu bringen. Ab Mitte August bis Anfang September ist die Aufzucht abgeschlossen, die Wochenstuben lösen sich auf. Die Tiere finden sich zur Paarung in den Balzquartieren zusammen und sorgen mit einer erhöhten Nahrungsaufnahme für den Winter vor. Spätestens Ende Oktober beginnt wieder der Winterschlaf. Damit dieser Lebenszyklus gelingt, sind die Tiere das ganze Jahr über auf zwei wesentliche Aspekte angewiesen:
- Auf eine Vielzahl unterschiedlicher Quartiere, die über das Jahr hinweg vorhanden und ungestört sind
- Auf ein ausreichendes Nahrungsvorkommen, insbesondere zum Zeitpunkt der Jungenaufzucht (Juni/ Juli) sowie vor dem Winterschlaf (September/ Oktober)
Wie alle europäischen Fledermausarten ist auch die Zwergfledermaus im Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistet und dadurch besonders streng geschützt. Als Kulturfolger ist sie ein fester Bestandteil unserer Siedlungen und der angrenzenden Landschaft. Daraus entstehen für Kommunen die Chance und Verpflichtung, wirksame Maßnahmen zum Schutz direkt vor Ort umzusetzen. Wie diese aussehen können, erfahren Sie hier.
Ursprünglicher Lebensraum
Die Gemeine Sandbiene ist in Mittel- und Südeuropa in niedrigen Lagen heimisch. Sie ist ubiquitär, d.h. sie kommt in vielen verschiedenen Lebensräumen vor, z. B. an Waldrändern, halboffenen Landschaften und Wiesen, aber auch in Sand-, Kies- oder Lehmgruben, sowie in urbanen Räumen. Zum Nisten benötigt sie sandige lehmige Böden mit wenig Vegetation. Störanfällig ist sie nicht, sodass sie auch in Siedlungsbereichen nahe dem Menschen anzutreffen ist. Bei guten Nistbedingungen kann sie in sogenannten Scheingesellschaften auftreten, in der bis zu 1.000 Tiere unabhängig voneinander auf sehr engem Raum Nistgänge anlegen. Die Gemeine Sandbiene ist polylektisch, d.h. sie ist nicht auf eine bestimmte Pflanzengruppe oder -art spezialisiert. Dies ermöglicht ihr flächendeckendes Vorkommen in Deutschland.
Lebensraum in der Stadt
Zwergfledermäuse sind standorttreu – sowohl was ihre Geburtsorte als auch ihre Winterquartiere angeht. Über Jahre hinweg steuern sie immer wieder dieselben Quartiere an. Selbst wenn die Weibchen einer Wochenstubenkolonie zwischen verschiedenen Quartieren wechseln, bleiben sie ihrer angestammten Region in der Regel treu.
Bei der Jagd beweist die sie ein Geschick für strukturreiche Landschaften. Bevorzugt jagt sie entlang von Gewässerrändern, an Waldkanten, Hecken sowie in Laub- und Mischwäldern. Doch auch den urbanen Raum hat sie für sich erobert: Grüne, parkähnliche Siedlungsbereiche mit altem Baumbestand bieten ihr optimale Bedingungen für eine erfolgreiche Nahrungssuche.
Ihre Wochenstuben sucht die Zwergfledermaus ausschließlich an und in Gebäuden, wobei sie häufig Wohngebäude wählt. Hier findet sie geeignete Spaltenquartiere wie Verkleidungen, Rollladenkästen und Giebelverschalungen. Bei der Auswahl bevorzugt sie in der Regel Standorte, die eine räumliche Nähe zu Gewässern aufweisen.
Als frostsichere Winterquartiere nutzt sie Stollen, Höhlen oder Keller in Wohngebäuden, Kirchen, Schlössern und Burgen. Im Sommer hingegen reichen ihr einfache Spalten an Gebäudefassaden oder Rollläden als Unterschlupf. Funde in Baumhöhlen oder Holzstapeln sind absolute Ausnahmen. Im südlichen Verbreitungsgebiet weicht sie zudem gelegentlich auf Felsenhöhlen aus.
Was Sie beitragen können
Insektenschutz
Sorgen Sie für ein reich gedecktes Buffet – nicht nur die Zwergfledermaus, sondern auch viele weitere Fledermausarten können sich nur dann erfolgreich in einer Region ansiedeln, wenn ein stetiges und ausreichendes Nahrungsangebot, v.a. in Form von Insekten, gegeben ist. Hierzu können Sie im Zuge der öffentlichen Grünflächenpflege aktiv beitragen:
- Schaffen Sie positive Beispiele, die zur Nachahmung anregen. Pflegen Sie Ihre kommunalen Grünflächen insektenschonend und verzichten Sie auf Pestizide. Ein naturnahes Grünflächenpflegekonzept bzw. unser Label Stadtgrün naturnah ist hierfür die beste Grundlage (mehr Informationen unter https://kommbio.de/jetzt-labeln-lassen/)
- Legen Sie gezielt Blühflächen für nachtaktive Insekten an. Kombinieren Sie Ihre Bemühungen mit Umweltbildungsangeboten. Die Hansestadt Havelberg hat z.B. in ihrem Naturstadt – Projekt die Anlage von Nachtfalterwiesen mit einer Fledermaus – Horchstation verbunden. Auf unserer Homepage sind neben der Projektbeschreibung auch die umfangreichen Infotafeln des Projektes zu finden: https://kommbio.de/praxisbeispiele/flederschmauswiese-nachtfalterwiese-mit-fledermaus-horchstation/. Unsere Mitgliedskommune Frankfurt am Main legt ebenfalls Beete für Nachtfalter im Stadtgebiet an: https://nektar-bar.de/
- Mut zur Wildnis! Viele als „Unkraut“ bezeichnete Pflanzen wie z.B. Brennnesseln sind Nahrung für Insekten wie z.B. Schmetterlingsraupen und helfen damit auch den heimischen Fledermäusen. Infoschilder können die Bevölkerung über deren Bedeutung aufklären und Vorbehalte abbauen.
Lichtverschmutzung
Als nachtaktive Säugetiere reagieren Fledermäuse besonders empfindlich auf Lichtverschmutzung. Zu starke oder langanhaltende Beleuchtung von Verstecken, Flugkorridoren und Jagdrevieren kann dazu führen, dass die Tiere die entsprechenden Gebiete meiden. Aus diesem Grund sollten diese sensiblen Bereiche gar nicht oder nur zurückhaltend beleuchtet werden.
Lebensraumerhaltung
Im Fledermausschutz – und im Artenschutz generell – steht die Erhaltung oder die Wiederherstellung naturnaher Lebensraumstrukturen an erster Stelle. Maßnahmen, die dem direkten Schutz von Jagdgebieten und Quartieren von Fledermäusen dienen, sollten daher stets oberste Priorität haben.
- Fördern Sie gezielt lineare Leitelemente wie Hecken und Baumreihen in der Landschaft. Diese werden häufig als Orientierungshilfe auf dem Weg in die Jagdgebiete genutzt. Sorgen Sie dafür, dass diese Strukturen nicht beleuchtet werden, da sie dadurch ihre Funktion verlieren können.
- Unsere heimischen Fledermausarten nutzen unterschiedliche Jagdtechniken und Lebensräume. Erhalten Sie daher u.a. vielfältig strukturierte Wald- und Gewässerrandzonen.
- Bringen Sie Fledermauskästen an Gebäuden oder Bäumen an, um den Verlust natürlicher Quartiere – etwa durch energetische Gebäudesanierungen – gezielt auszugleichen. Hängen Sie die Kästen in einer Höhe von vier bis sechs Metern auf: Das schützt vor Fressfeinden und garantiert den Tieren die nötige Fallhöhe beim Abflug. Achten Sie zudem darauf, dass die Einflugschneise dauerhaft frei von Vegetation bleibt. Unsere Mitgliedskommune Dreieich hat im Jahr 2025 diese Maßnahme erfolgreich umgesetzt: https://kommbio.de/praxisbeispiele/neue-fledermaus-quartiere-an-der-burg-hayn/
- Die Zerstörung von Quartieren lässt sich nicht immer komplett vermeiden (z.B. bei notwendigen Gebäudeabrissen). Gestalten Sie daher geeignete Objekte wie z.B. alte Bunker frühzeitig zu Fledermausquartieren um und nutzen Sie diese im Rahmen notwendiger Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Unsere Mitgliedskommune Wiesbaden hat z.B. einen LKW-Tunnel auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs in ein Winterquartier umgewandelt: https://www.wiesbaden.de/pressemitteilungen/pressereferat/maerz/260305-Fledermaeuse
Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung
- Fledermäuse sind aufgrund ihres Aussehens Sympathieträger. Nutzen Sie das gezielt für Ihre kommunale Bildungsarbeit. Mit attraktiven Umweltbildungsangeboten rund um den Fledermausschutz aktivieren Sie die Bürgerschaft direkt vor Ort. Nutzen Sie die Zwergfledermaus als sympathischen Botschafter, um komplexe Themen wie die Grünflächen- und Landschaftspflege greifbar und nahbar zu vermitteln. Wie das gelingen kann, zeigen unsere Mitgliedskommunen Berlin, Hamburg und Leipzig. Sie nehmen am Projekt „BatCities – urbaner Fledermausschutz“ teil und setzen sich individuell für den Fledermausschutz vor Ort ein.
- Gehen Sie gezielt auf etwaige Vorurteile und Berührungsängste ein. Meist beruhen diese auf mangelndem Wissen. Aufklärung ist hier dringend notwendig. Machen Sie es sich dabei leicht und sparen Sie wertvolle Ressourcen: Greifen Sie auf bewährte Tools zurück, statt das Rad neu zu erfinden. Mit dem Fledermaustelefon und den FAQs des NABU haben Sie einen passenden Informationspool bereits an der Hand: Fledermaustelefon und FAQs – NABU
- Verbinden Sie Artenschutz und Umweltbildung, indem Sie Quartiere auf dem Gelände von Kindergärten und Schulen aufhängen. In Aktionswochen oder eintägigen Mitmachaktionen kann hier Wissen vermittelt und Akzeptanz geschaffen werden. Die Stadt Iserlohn hat dies im Jahr 2021 erfolgreich umgesetzt: https://kommbio.de/praxisbeispiele/fledermauskaesten-fuer-kindergaerten-und-schulen/
Tipps zur Kommunikation
- Nutzen Sie die Zwergfledermaus als stellvertretende Botschafterin für den städtischen Fledermausschutz. Alle Fledermausarten sind durch ähnliche Faktoren bedroht – insbesondere durch den fortschreitenden Verlust von Lebensräumen sowie einen akuten Mangel an geeigneten Jagdgebieten und Beutetieren.
- Zeigen Sie auf, welche Maßnahmen im eigenen Garten zur Förderung von Fledermäusen ergriffen werden können. Das kann in Form einer Broschüre, in anschaulichen Workshops oder Führungen geschehen.
- Fledermausschutz basiert in den Kommunen vorwiegend auf ehrenamtlicher Basis. Kooperieren Sie mit den lokalen Naturschutzvereinen und Initiativen, nutzen Sie das dort vorhandene Wissen und binden Sie diese frühzeitig in Ihre Maßnahmenplanung mit ein. Denken Sie auch über die Berufung einer/eines Fledermausbeauftragten nach.
- Bündeln Sie Ihre Kräfte und denken Sie Artenschutz über Grenzen hinweg: Ein wirksamer Fledermausschutz gelingt am besten im starken Verbund. Suchen Sie deshalb die Zusammenarbeit mit Ihren Nachbarkommunen und den lokalen Naturschutzvereinen der Region. Gemeinsam teilen Sie nicht nur das Know-how, sondern vervielfachen auch die Wirkung Ihrer Maßnahmen vor Ort.
- Setzen Sie auf gezielte Aufklärung, um das Wissen über die Lebensweise von Fledermäusen in der Bevölkerung zu verankern. Kenntnisse über diese faszinierende Artengruppe bauen Ängste sowie Bedenken ab und schaffen die nötige Akzeptanz für Naturschutzmaßnahmen direkt im wohnortnahen Umfeld.








